„Opus 2006“

 


Cosi fan tutte – so machen’s  alle! Aber wie der Treuetest in Mozarts Oper in Szene gesetzt wird, dazu gibt es unzählige Varianten.

In der Inszenierung von Peter Konwitschny mit dem Bühnenbild von Jörg Kossdorff an der Komischen ist die Szene abstrakt, der Garten ein blumiges Paradies, die übrigen heimlichen Treffpunkte abstrakte Spiegelkabinette und Labyrinthe.

Das Licht von Franck Evin setzt hier einen starken Kontrast. Dies gelingt ihm mit dem Einsatz der lichtstarken Scheinwerfer seines Stammhauses, der Komischen Oper Berlin, die die Protagonisten fast schattenlos ins Licht rücken. Tiefes und geheimnisvolles Blau kontrastiert mit dem sündenvollen Rot, die Paradiesgärten werden ihrer Heimlichkeit durch klares Tageslicht beraubt. Das Licht setzt damit starke Akzente in der Stimmung, schafft den roten Faden für die Dramaturgie der verworrenen Handlung.

Mit der Lichtgestaltung für Cosi fan tutte würdigt die Jury beispielhaft die Arbeit von Franck Evin. Seit zehn Jahren ist er als künstlerischer Leiter der Beleuchtungsabteilung an der Komischen Oper Berlin und in zahlreichen internationalen Produktionen tätig. In dieser Zeit hat er seine eigene Lichtsprache mit klaren und kontrastreichen Effekten ausgeprägt. Gleichzeitig aber hat er gezeigt, dass ein Lichtgestalter immer auch Mitglied eines Teams ist und diese Sprache den Erfordernissen der jeweiligen Produktionen anpasst. Damit erweitert er auch ständig die eigenen Ausdrucksmöglichkeiten.

In der letzten Zeit hat Franck Evin sehr unterschiedliche Produktionen realisiert, die die Bandbreite seiner Arbeit vor Augen führen.

Da ist zum Beispiel Madame Butterfly des katalonischen Regisseurs Calixto Bieto im Bühnenbild von Antonio Flores, wo die japanische Szenerie im Licht mit Neondekor und LED Grafik das verspielte Bühnenbild begleitet oder auch kontrastiert.

Oder, als starker Kontrast dazu, die Oper Jewgeni Onegin, inszeniert von Andreas Homoki mit dem Bühnenbild von Hartmut Meyer. Bei dieser Inszenierung fällt dem Licht eine besonders starke Rolle in der visuellen Umsetzung der Dramaturgie zu. Die Hoffnungslosigkeit der Protagonisten wird in einen Wartesaal verlegt, kein Ankommen im Glück scheint möglich. Dieser Raum entwickelt sich im Verlauf der Oper, vor allem durch Licht und Bewegung. So entsteht mit einem einzigen Schattenwechsel eine völlig neue Situation, eine hohe Konzentration auf die Hauptdarsteller.

Als Beispiel für eine außergewöhnliche Auslandsproduktion möchten wir noch auf „Die Hochzeit des Figaro“ verwiesen, aufgeführt am National Theatre in Tokyo (Regie Andreas Homoki, Bühnenbild Philip Schlössmann. Hier war die Ästhetik extrem streng. Für die Japaner sehr ungewöhnlich, da sie in der Mehrzahl amerikanische Produktionen mit üppigen Bühnenbildern zu sehen bekommen.  Alles in weiß, von den Kostümen bis zu Raum und Möbel – dann schwarze Kontraste mit dem scharfen Schnitt im Raum, keine Schatten, lediglich Farbwechsel .

Diese Produktionen geben einen Eindruck von der künstlerischen Leistung Franck Evins. Aber wir dürfen nicht  vergessen, dass eine bestimmte Lichtästhetik ohne die technischen Voraussetzungen nicht realisierbar ist. Ein besonderes Verdienst kommt Franck Evin deshalb als verantwortungsvollem Leiter der Beleuchtungsabteilung zu. Er hat alle Energien darauf verwendet, an der Komischen Oper kontinuierlich eine flexible und moderne Beleuchtungsanlage einzurichten und das Personal entsprechend auszubilden, so dass das Haus sich jetzt als eines der modernsten präsentieren kann. Intendant Andreas Homoki, der Technische Direktor Dietmar  Wolf und das Beleuchtungsteam haben Franck Evins Initiative ausdrücklich unterstützt.

Wir freuen uns, Franck Evin den OPUS für Lichtgestaltung zu überreichen und möchten damit auch die Komische Oper ermutigen, diesen Weg weiter zu gehen. Wir freuen uns auf noch viele außergewöhnliche  Inszenierungen.